Finanzwirtschaft auf Steroiden

Sind Dopingskandale im Sport eine Folge individueller Entscheidungen, basierend auf Ruhmsucht, Geldgier und moralischer Verkommenheit ruchloser Einzelkämpfer? Genügt es folglich zu rufen: „Haltet den Täter und bestraft ihn“?

Das Ausmass des Dopings im Spitzensport erscheint vielmehr als Konsequenz eines Umfelds, in dem nur Superlativen zählen und Leistung keine Obergrenze kennt. Der Mechanismus funktioniert so: Wer nicht überführt werden kann, hat gewonnen.

Ich sehe eine Parallele zur Wirtschaft: Während vielen Jahren konnten sich die Finanzmärkte ungehemmt entwickeln. Investment-Banker waren die Helden der Neuzeit. Seit fünf Jahren inventarisiert man den globalen Scherbenhaufen.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Finanzspekulation und Doping im Sport? Beide funktionieren nach derselben Logik. In der Jagd auf kurzfristigen Gewinn waren alle Mittel recht. Finanzderivate wurden erfunden, die niemand mehr beherrschen konnte. Die Finanzwirtschaft lebte auf Steroiden.

Es erstaunt nicht, dass das ungebändigte Profitstreben auch Finanzjongleure zweifelhaften Charakters angezogen hat. Neuerdings gelangen auch im Fricktal Investitionsskandale ans Tageslicht.

Doch plötzlich muss der siebenfache Sieger der Tour-de-France Lance Armstrong all seine Titel abgeben. Und man liest, dass das Investment-Banking  in der Schweiz zurückgestutzt wird.

Erleben wir den Anbruch einer Zeit, in dem der Mensch wieder zum Mass der Dinge wird?

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Kopfschütteln

Kaum ein Schweizer Bahnhof, der heutzutage ohne Bettler auskommt.
Es erinnert mich an zwei Erlebnisse in Bukarest vor einigen Jahren. Von meiner Wohnung im 7.
Stock konnte ich die den belebten Platz unter mir genau beobachten und auch den Eingang zur
Metrostation. Neben dem Eingang sass immer ein älterer Bettler, bei dem mir auffiel, dass ihm
jeweils am Morgen das rechte und am Nachmittag das linke Bein fehlte. Anscheinend war die
Yoga-Verrenkung, durch die er den Unterschenkel verbarg, nicht förderlich für die
Durchblutung. Dann staunte ich auch nicht schlecht, als abends einmal ein Mercedes vorfuhr,
um ihn abzuholen. Meine rumänischen Freunde klärten mich auf, dass Betteln ein florierendes
Business sei und die besten Standplätze von "Bettlerbaronen" gehalten und mit eigenen Leuten
ausgestattet werden.
Auf der Treppe, die in die Metro hinabführt, sassen in einigem Abstand drei bettelnde Jungs.
Eines Morgens hatte einer von ihnen begonnen, repetitiv den Kopf hin und her zu bewegen –
war das ein neurotischer Tick? Man musste schon Mitleid mit ihm haben, das sah wirklich nicht
gesund aus. Doch als ich am Abend nach Hause kam, war der Anblick ungleich
beeindruckender: der Bettelnachbar des ersten Jungen hatte anscheinend verstanden, dass
repetitive Kopfbewegungen das Herz der Vorbeigehenden erweichen. Und er legte kurzum
noch einen drauf und schwang sein Haupt dezidiert nach links und rechts. Will heissen: Diesem
Jungen geht es noch schlechter, er hat das Almosen verdient! Am nächsten Tag schlug dann
die Stunde des dritten Jungen. Er dachte sich, wenn schon, denn schon, und bewegte nicht nur
den Kopf, sondern den ganzen Oberkörper wild in alle Richtungen, so dass die Passanten
unweigerlich zum Schluss kommen mussten, dass es diesem Jungen am schlechtesten ging,
und er ihren Mitleidsbatzen verdient hatte.
Ob all den Verrenkungen wurde mir ganz sturm im Kopf. Seither komme ich den Bettlern, die
mich ansprechen, jeweils zuvor, schüttle lieber selbst den Kopf und gehe schnell weiter.

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