Amerikanische Lösungen für den Stau auf unseren Strassen?

Das Bundesamt für Strassen ASTRA stellte im Juni fest, dass das Nationalstrassennetz im Raum Basel «an seine Belastungsgrenze stösst». Damit fasst es in nüchterne Worte, was hunderte Pendler aus unserer Region täglich ertragen. Und mit dem Bau des Rheintunnels in Basel wird die Häufigkeit von Verkehrsstaus in unserer Region nochmals deutlich steigen. ASTRA setzt auf die Umnutzung des Pannenstreifens zwischen Pratteln und Rheinfelden, die ab 2019 in Kraft tritt. Aus Sicherheitsgründen stehe ich dieser vermeintlichen Lösung sehr skeptisch gegenüber.

Stattdessen gäbe es Ideen aus Übersee, die sich für den Import eignen. Sogenannte «Fahrgemeinschaftsspuren» dürfen nur von Fahrzeugen mit mindestens zwei Insassen benutzt werden. Diese Fahrstreifen, die mancherorts auch nur während den Stosszeiten gelten, sind in der Regel deutlich weniger stark befahren, so dass man zügig vorankommt. Als ich im Januar meinen Bekannten in der US-Hauptstadt Washington besuchte, der als Direktor einer grossen Umweltorganisation arbeitet, flitzten wir in seinem Elektrofahrzeug über die erste solche Fahrbahn, die in den USA überhaupt geschaffen wurde, wie er mir erzählte. Seit den 1970ern wurde der Ansatz, der die Verringerung von Staus und die Senkung der Luftverschmutzung bezweckt, in mehreren US-Staaten erfolgreich umgesetzt.

In Europa hat das Konzept bisher kaum Verbreitung gefunden. Umso überraschter war ich, als ich unlängst in Rzeszów, einer polnischen Stadt mit der Einwohnerzahl Basels, eine Markierung sah, die anzeigte, dass der vorher nur öffentlichen Bussen vorbehaltene Fahrstreifen neu auch für Fahrgemeinschaften geöffnet wurde. Offensichtlich ist man in Polen innovativen Ideen gegenüber aufgeschlossen.

Fahrgemeinschaftsspuren setzen auf kostengünstige Weise Anreize für Pendler, die Fahrt mit Arbeitskollegen gemeinsam zu tätigen. Vielleicht könnte die Idee nicht nur für die Strecke nach Basel, sondern auch für die während den Stosszeiten überlastete Rheinfelder Zollbrücke Linderung bringen?

Michael Derrer ist Unternehmensberater und Vorstandsmitglied der glp Rheinfelden

Legende:
Die Markierung «1+2» zeigt auf dieser polnischen Strasse an, dass neben Bussen und Taxis neu auch Fahrgemeinschaften die Spur benutzen dürfen.